Das Sahyadri Farmer’s Consortium im Süden Indiens exportierte im Jahr 2000 63,5 Tonnen an ökologischen Gewürzen und steigerte den Absatz damit um 84 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Anbau und Absatz von Öko-Gewürzen ist Hauptbestandteil eines Programmes der Peermade Development Society, einer indischen Nichtregierungs-Organisation, die sich der Förderung von Kleinbauern, Frauen und Kindern widmet. Bisher unter anderem durch Spendengelder von MISEREOR finanziert, will die Organisation ihre soziale Arbeit nun zum Teil selbst tragen und damit selbst Verantwortung übernehmen.
Cochin, Indien. Der Distrikt Idukki ist der größte, aber auch der am wenigsten entwickelte im Bundesstaat Kerala im Süden Indiens. Deshalb ist er Schwerpunkt der Arbeit der Peermade Development Society (PDS) die der heutige Bischof von Kanjarapally, Mattew Arackal, schon 1980 gegründet hat. „Unser Ziel ist es, die ökonomischen und sozialen Verhältnisse zu stärken sowie die Bildungsmöglichkeiten zu verbessern, und zwar für die Ärmsten der Landbevölkerung“, sagt Dr. C.K George, internationaler Berater der PDS. Im Distrikt Idukki leben vor allem Kleinbauern und Selbstversorger, darunter Adhivasi, die Ureinwohner Indiens. Die Preisschwankungen für landwirtschaftliche Produkte seien vergleichsweise hoch und Anbauer könnten zeitweise kaum ihre eigenen Produktionskosten decken. „Tausende von Kleinbauern und Selbstversorgern, die keinen direkten Zugang zum Markt haben, sind von Mittelsmännern abhängig - und die sind zum Teil skrupellos - um ihre Produkte zu verkaufen. Viele sind Opfer von extrem ungünstigen Preisentwicklungen. Schlimmer noch, kaum einer der Bauern hat ausreichend wirtschaftliches Standvermögen, um auf bessere Preise zu warten.“
Um eine Lösung für dieses Problem anzubieten, hat die PDS eine Vermarktungsorganisation für den Export gegründet, das Sahyadri Farmer’s Consortium. Dem kann beitreten, wer sich dem ökologischen Anbau verpflichtet und seine Produkte in das Vermarktungsprogramm mit aufgenommen wissen möchte. Das Programm startete 1997 mit 185 Kleinbauern und 348 Hektar zertifizierter Anbaufläche. Aktuell beteiligen sich 1020 Kleinbauern mit 1050 Hektar zertifizierter Anbaufläche, die zu 65 Prozent mit ökologischem Kaffee belegt ist. Inzwischen haben 45 Produkte ein Öko-Zertifikat vom niederländischen Zertifizierer SKAL, das den Regelungen der International Federation of Organic Agricultural Movements (IFOAM) und dem EU-Regelwerk entspricht. Damit wurde die wichtigste Hürde zum Verkauf auf dem internationalen Ökomarkt gemeistert. Zu den erfolgreichsten Produkten gehören schwarzer und weißer Pfeffer sowie Ingwer. Die wichtigsten Importländer sind Deutschland, gefolgt von den USA. Von den Gewinnen aus dem Exportgeschäft fließt die Hälfte in die Förderprogramme der PDS zurück, die andere Hälfte wird als Rückstellung für künftige Programme einbehalten.
Unterstützung erhält das Sahyadri Farmer’s Consortium nicht nur aus Übersee, auch die indische Verwaltung stellt begrenzt finanzielle Fördermittel zur Verfügung. So erstellte die indische Gewürzbehörde im April 1998 mit dem Buch „Production of Organic Spices“ (ökologischer Anbau von Gewürzen) das wichtigste Nachschlagewerk für die Öko-Kleinbauern in eigener Regie. Ein Trainingsprogramm der Behörde schult Anbauer im Kompostieren mit Regenwürmern, um die Ökogewürze mit einem äußerst fruchtbaren, natürlichen Dünger zu versorgen. Ein Zuschuss von 50 Prozent der Zertifizierungs- und Inspektionskosten bis zu jährlich 75000 Rupees (etwa 1800 EURO) gehört ebenso zum Förderprogramm wie die Übernahme von Frachtkosten zur Versendung von Produktmustern an interessierte Importeure.
Trotz guter Aussichten und vielfältiger Hilfe bleibt Dr. C.K George skeptisch: „Obwohl generell die Aussichten im Handel mit ökologischen Produkten gut sind, gibt es einige Risikofaktoren für Anfänger im Exportgeschäft, die wir nicht vergessen dürfen.“ Dazu zählt er vor allem fallende Preise bei steigendem Angebot. „Schwächere Verhandlungspositionen und geringes wirtschaftliches Standvermögen auf seiten der Exporteure in den Produktionsländern könnten auf die Preise für Ökogewürze drücken und damit die Rentabilität des ökologischen Anbaus gefährden.“ |