Aktionsprogramm Hochwasserschutz: 100 Mio. Euro fließen in den Landkreis


Wasserwirtschaftsamt Ingolstadt: wichtigste Schwachstellen bis 2003 beseitigt / Nicht nur Donau eine Gefahrenquelle, Maßnahmen auch an Ilm und Paar

Pfaffenhofen/Ingolstadt (lsi) Seit dem Pfingsthochwasser 1999 genießt der Hochwasserschutz durch Deiche und Rückhalteflächen höchste Priorität am Wasserwirtschaftsamt in Ingolstadt. Rund 100 Millionen Euro sind für ein entsprechendes Maßnahmenpaket bis zum Jahr 2020 im Landkreis von der Staatsregierung veranschlagt. Doch nicht allein die Donau stellt eine Gefahr für die Menschen entlang des Flüsse dar - die Hälfte des Budgets ist für den Schutz an Ilm und Paar vorgesehen.

Geisenfeld erstes von zehn Projekten
Nach den sintflutartigen Regenfällen im April 1994 trieb das Wasserwirtschaftsamt die Planung von Schutzmaßnahmen im Ort massiv voran. Als erstes von insgesamt 10 Projekten im Landkreis konnte es heuer abgeschlossen werden. Während früher bereits 10jährige Hochwässer mit einem Abfluss von 45 Kubikmeter pro Sekunde zu Überschwemmungen im Stadtgebiet führten, können jetzt 100jährige mit 96 Kubikmeter pro Sekunde verkraftet werden. Einziger Nachteil: Durch die Freilegung ging bisher vorhandener Rückhalteraum für Hochwasser verloren, der bis dato nur etwa zur Hälfte ausgeglichen wurde. Die restlichen 40.000 Kubikmeter sollen deshalb in den nächsten Jahren über ein neues Rückhaltebecken bei Ilmendorf aufgenommen werden. Dennoch bestehe bis dahin für die Bewohner in Engelbrechtsmünster, Nötting und Ilmendorf keine Überschwemmungsgefahr, teilt das Wasserwirtschaftsamt mit.

Im guten Glauben falsch gemacht
Die Entwicklung hin zur Einengung der Flüsse begann vor gut 100 Jahren, als der Mensch anfing, sich die Gewässer untertan zu machen. Der häufigen kleinen Überschwemmungen überdrüssig, errichtete er Deiche entlang von Flüssen und Bächen und begradigte sie. Ziel war es, die fruchtbaren Böden in den Flusstälern effektiver nutzen zu können und weitere Siedlungsräume zu erschließen. "Im guten Glauben wurde das damals falsch gemacht", beurteilt Benno Blaschke, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes in Ingolstadt, heute diese Anfänge einer inzwischen tragischen Entwicklung. Keine böse Absicht, nur in der Summe nicht konsequent zu Ende gedacht.
Zwar habe ein Umschwung im Umgang mit Gewässern schon vor Jahrzehnten stattgefunden, die letzten Jahre werde jedoch besonders intensiv am Hochwasserschutz gearbeitet, gibt Blaschke zu. 500 Hektar Uferstreifen hat sein Amt in den vergangenen 30 Jahren aufgekauft und damit die Voraussetzung zur Renaturierung von Ilm und Paar geschaffen.

Schutz der Siedlungen ist angesagt
Über die Entfernung von vorher eingebauten Uferbefestigungen, die Anhebung der Flusssohle um bis zu 40 Zentimeter und die Schaffung von Auenwaldflächen sollen die Flüsse und Bäche wieder zu ihrem natürlichen Lauf zurückfinden. Dass dadurch Ackerflächen künftig öfter überschwemmt werden, wird billigend in Kauf genommen: "Der Hochwasserschutz für landwirtschaftliche Flächen ist längst passee, Schutz der Siedlungen ist angesagt", so der Behördenleiter.
In erster Linie geht es darum, mittelfristig den natürlichen Wasserrückhalt der beiden Flüsse Ilm und Paar deutlich zu erhöhen sowie kurzfristig sämtliche Siedlungen durch technische Maßnahmen zu schützen. Entlang der Ilm werden dazu Planungen für Pfaffenhofen, Wolnzach, Rohrbach, Ilmendorf, Rockolding und Vohburg erstellt. Entlang der Paar, die längst nicht so verbaut wurde wie die Ilm, gibt es erste Bauentwürfe für Manching und Baar-Ebenhausen.
Technischer Hochwasserschutz bedeutet vor allem den Bau und die Erhöhung von Deichen und Mauern im Ort selbst, was durch Rückhaltebecken und Ausgleichsmaßnahmen ergänzt wird. Zusätzliche Flutmulden sind bislang vorgesehen in Pfaffenhofen und Rohrbach. Über diese Flutmulden soll ein drohendes Hochwasser aufgeteilt werden, so dass nur noch ein Teil durch den Ortskern selbst fließt und der andere Teil quasi über eine Umgehung abfließt.
Nach Auskunft von Amtsleiter Blaschke wäre eine solche Flutmulde auch für Baar-Ebenhausen technisch machbar. Allerdings mit zwei Nachteilen: durch die erforderliche Tiefe der Flutmulde bestünde die Gefahr einer Grundwasserabsenkung im Einzugsbereich. Gleichzeitig könnte sich die Hochwassergefahr für Manching aber erhöhen. Das Wasserwirtschaftsamt habe dem Gemeinderat vier mögliche Planungsvarianten vorgelegt. Nun sei es Sache der Politik, sich für eine davon zu entscheiden.

Mauern nicht zu umgehen
In Pfaffenhofen soll in Kürze ein Vorentwurf dem Stadtrat vorgestellt werden. Die komplexe und technisch aufwändige Planung sieht laut Stefan Bauer vom Wasserwirtschaftsamt im südlichen Bereich eine kleine Flutmulde vor, ein Rückhaltebecken noch oberhalb von Pfaffenhofen sowie den Ausbau der Ilm im Stadtgebiet. "Dabei werden auch Mauern nicht zu umgehen sein." Mit einem Abschluss des Hochwasserschutzes rechnet das Amt als nächstes in Rohrbach. In Vohburg sei bedauerlicherweise Klage vor dem Verwaltungsgericht eingereicht worden sei, so dass ein zeitlicher Rahmen nicht mehr planbar sei.

Donaudeiche auf neuestem Stand
Als wichtigste Maßnahme der vergangenen Jahre sieht Blaschke die Sanierung der Donaudeiche für bisher 25 Millionen Euro. Im Landkreis Pfaffenhofen wurden in und um Vohburg 8,9 Millionen Euro ausgegeben, um die Donaudeiche, den Mitteldeich und den Rücklaufdeich der Kleinen Donau auf den neuesten Stand der Technik zu bringen. Teilweise über Spundwände, die in die Deichmitte eingerüttelt wurden, teilweise über eine Lehmabdichtung von außen. Da der Mitteldeich, der zwischen Donau und Kleiner Donau liegt, im Hochwasserfall nicht befahren und damit nicht verteidigt werden kann, wurde er auf seiner ganzen Länge verspundet. Zudem verbesserte das Amt die generellen Verteidigungsmöglichkeiten, indem überall Deichhinterwege angelegt wurden, über die technisches Gerät angefahren werden kann.

Rückhaltebecken Feilenforst
Sobald die kritischsten Stellen beseitigt sind, will das Wasserwirtschaftsamt wieder verstärkt in die Planung des langfristigen Hochwasserschutzes einsteigen. Dann soll erneut die Idee aufgegriffen werden, den nördlichen Feilenforst als Überschwemmungsfläche bei Hochwasser zu nutzen. Aus Sicht der Wasserwirtschaftler ein ideales Gelände, da es großflächig keine Besiedlung gibt und nur einen einzigen Besitzer, die Staatsforstverwaltung. Walter Erl, Leiter des zuständigen Forstamtes in Geisenfeld, gibt sich dieser Idee gegenüber aufgeschlossen: "Den Fichten und Kiefern auf diesem Standort würde das Wasser sicher nicht so gut bekommen. Aber das meiste sind Laubbäume, und die würden gut zurechtkommen". Parallel dazu gibt es Überlegungen am Forstamt, das Naturschutzgebiet Nöttinger Heide auf den nördlichen Teil des Feilenforstes auszuweiten.
 
Sigrid Leger

(veröffentlicht am 28. September 2002 im Landkreis-Teil des Pfaffenhofener Kurier, zusammen mit entsprechendem Fotomaterial