Pfaffenhofen. Eine extreme Motorradreise ist kein Urlaub und und keine Erholung. Dafür dauert sie zu lange und bringt zu viele Entbehrungen und Schmerzen mit sich. Warum also macht sich einer wie Arno Backes auf den Weg, um von Los Angeles bis an das Kap Horn zu biken, um 14 Länder zu bereisen, 14 Öl- und 8 Luftfilter auszutauschen, fluchend die gefährlichste Straße der Welt hinter sich zu bringen, einmal fast zu erfrieren und zweimal völlig an seine Grenzen zu kommen?
"Weil du dann erst bemerkst, dass du nicht viel brauchst, um glücklich zu sein", sagt der ehemalige Pfaffenhofener Konditormeister. "Nicht viel Geld oder das neueste Motorrad, aber viel Zeit und Freiheit." Und eine Partnerin, die diese Leidenschaft mit dir teilt, wie seinem Reisebericht "Motoqueros" zu entnehmen ist, den er zusammen mit seiner Lebensgefährtin Sian Mackenzie als Buch veröffentlicht hat.
Von 1998 bis 2002 arbeitete und lebte der gebürtige Saarländer als Konditormeister im Café Hipp am Hauptplatz. Dort war er für die feinen Sachen zuständig: Schokoladen und Torten. Die 50 Meter lange Geburtstagstorte für Bürgermeister Hans Prechter stammte aus seiner Hand und viele andere Leckereien.
Nach Pfaffenhofen kam Backes, nachdem er mit seinem Motorrad von München aus auf dem Landweg bis Sydney reiste. Seine erste große Tour. In München hatte er im Café Luitpold den Sohn von Hans Hipp ausgebildet, und als Backes in Australien unterwegs war, erhielt er vom Café Hipp ein Arbeitsangebot.
"Ich wurde in Pfaffenhofen sehr offen aufgenommen", erinnert sich der Konditor. "Deshalb ist mir die Umstellung nach Australien auch leicht gefallen und ich habe mich richtig wohl dort gefühlt."
Doch wen das Reisefieber einmal gepackt hat, den lässt es anscheinend nicht mehr so einfach los. Etwa vier Jahre führte Backes ein "gut bürgerliches Leben" dann musste er wieder Abenteuer erleben. Dieses Mal gemeinsam mit seiner englischen Lebensgefährtin, die er in Australien kennengelernt hatte.
Etwa ein halbes Jahr haben sich die beiden auf die große Tour vorbereitet. Ihre Motorräder - Backes fuhr eine BMW R 100 GS mit bereits 120.000 Kilometern auf dem Tacho und Mackenzie eine Yamaha XT - verschifften sie nach Los Angeles. Von dort ging die Reise über Mexiko, Guatemala, Nicaragua und Costa Rica bis nach Panama, wo sie die Fähre nach Santiago de Chile nahmen.
"Den gefährlichsten Straßenverkehr haben wir in Guatemala erlebt", erzählt Backes. In seinem Buch schildert er, wie seine Freundin auf schlammiger Straße berghoch nahe eines Abgrundes mit ihrem Motorrad beinahe gestürzt ist: Hupend und qualmend knattern Lkws dicht an ihr vorbei, keine Rücksicht nehmend, damit sie nicht selbst im Morast stecken bleiben. Er kommt ihr zu Fuß zu Hilfe, "leider springt die Kette ab. Abgestiegen, Kette aufgepfriemelnt macht sich ein ranheizender Bus durch Motorengebrüll und Hupen bemerkbar. Mir ist klar, dass der nicht anhält und die Straße für uns beide zu eng ist. Ratzfatz aufgestiegen, gebe ich der XT Sporen. Schweißgebadet komme ich oben an und zitternd wie Espenlaub, wundere mich über meine Off-Road Fähigkeiten. Oben im Dorf fragen uns die Leute, was wir Gringos hier denn wollen."
Auf der Weiterreise in Südamerika könnte Backes endlich eine ausgefallene Antwort auf diese Frage geben: "Schokoladenformen kaufen." Irgendwann ist sein Motorrad so voll bepackt mit skurillen Formen aller Art - sie reichen vom menschlichen Skelett hin bis zu Inka-Figuren - dass sogar die Zöllner ihn misstrauisch beäugen. Was will ein deutscher Motorradfahrer mit all dem Zeug? Backe weiß es genau. Er plant, im September diesen Jahres nach Australien auszuwandern und sich als Konditor in Melbourne selbständig zu machen. Die Erlaubnis mit dem lange ersehnten Stempel kam nur wenige Tage vor der Abreise nach Lateinamerika. Und vielleicht versucht er dann sogar, die 50-Meter-Rekordtorte zu übertreffen.
Mit Diavorträgen in Pfaffenhofen über seine Reise habe es dieses Mal leider nicht geklappt, bedauert der Abenteurer. Die Volkshochschule hatte kurzfristig leider keine Termine mehr frei. Wer dem Weitgereisten dennoch Tipps und Tricks entlocken möchte, der hat beim Africa Queen-Treffen in Geisenhausen an diesem Wochenende noch eine Möglichkeit. Oder er stöbert in Backes Buch "Motoqueros", das in den Pfaffenhofener Buchhandlungen erhältlich ist oder auf Backes Homepage unter www.bikeactive.de bestellt werden kann.
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