Eja/Pfaffenhofen. Halbe Sachen gehen Johann Brenner gegen den Strich: "Ich mache was ganz, oder gar nicht", sagt der Landwirt. Das bestätigt seine Brutstation für Nandus, die er in einem großen weißgetünchten Raum aufgebaut hat. Zwei selbst konstruierte Brutschränke mit handgroßen Nandueiern hinter Glas dominieren das Bild. Die Technik dazu hat er sich vor Ort in Namibia und Südafrika bei Straußenzüchtern angeschaut. Die Kunst zum Improvisieren besaß er schon vorher: Zur Luftbefeuchtung benutzt er einen handelsüblichen Eierkocher.
Über solchen Dingen tüftelt der Hobbyzüchter im Winter, nach der Arbeit im eigenen Wald. Im Moment bleibt dafür keine Zeit. Denn seit Tagen geht es Schlag auf Schlag, nicht nur bei der Getreideernte. Fast täglich legt er Eier aus dem Brutschrank in den Schlüpfkasten, wo binnen weniger Stunden kleine Nandus aus den dickschaligen Eiern platzen. Und weil - sehr ungewöhnlich im Tierreich - bei den Nandus nur der Hahn die Eier bebrütet und seinen Küken tatkräftig beim Kraftakt des Schlüpfens hilft, übernimmt der 34-Jährige ganz selbstverständlich auch diese Rolle. Mehrmals täglich dreht er die Eier im Brutschrank, damit die Embryos nicht versehentlich an der Schale festkleben. Nach 38 Tagen steht die Geburt an.
"Normalerweise hacken die Vögel selbst ein Loch in die Schale", sagt der Nandu-Begeisterte. Ab und zu hilft er aber auch nach. Wenn nämlich die Küken nicht richtig im Ei liegen, kann der Schnabel eingeklemmt sein. "Die Tiere hätten dann keine Chance." Das ist zum Glück in den vergangenen Jahren erst ganze drei Mal passiert. Und jetzt ein viertes Mal.
Johann Brenner hat ein Ei an der Luftblase geöffnet. Der kleine Nandu ist überfällig. Doch da, wo eigentlich der Schnabel sein sollte, fühlt er einen Oberschenkel. Immer wieder betastet er den kleinen Laufvogel, der unsichtbar unter einer weichen weißen Eimembran verborgen liegt. Der Nanduvater ist unruhig. Öffnet er die Membran zu früh, könnte er das Jungtier gefährden. Es braucht genügend Kraft, um sich vom Ei durch Bewegen und Strecken selbst zu befreien. Erst dadurch zieht sich der Dottersack in den kleinen Körper zurück und nährt ihn noch in den ersten Lebenstagen. Liegt der Kopf mit Schnabel aber eingeklemmt im Inneren, so würde der kleine Nandu allmählich ersticken.
Schließlich greift Johann Brenner beherzt zu. Er öffnet die Membran, sucht den Kopf. Der steckt tatsächlich fest zwischen Bein und Körper. Er packt den langen, biegsamen Hals und zieht zwei, drei Mal daran. Kopf und Schnabel kommen zum Vorschein. Der kleine Kerl sieht erschöpft aus, aber atmet. Und überlebt: "Er hat sich gut erholt und rennt schon munter mit den großen Geschwistern mit", sagt der Geburtshelfer am nächsten Tag am Telefon.
Die anderen drei Geburten an diesem Tag sind Routine. Scheinbar. Denn in den beiden nächsten Eiern steckt eine echte Überraschung: weiße Nandus, die ersten überhaupt im Brennerschen Hause. Die beiden Eier hat der Junglandwirt bei einem anderen Züchter im Norden der Republik gekauft. Um neue Gene in seine eigene Herde zu bringen. Jetzt ist daraus auch eine neue Farbe geworden. "Die weißen Nandus sind seltener, und deshalb auch begehrter", erklärt der überraschte Züchter. "Im Schnee sind die hervorragend getarnt."
Nandus sind unkompliziert zu halten. Nachfragen gab es deshalb schon viele: vom Chiemsee und aus Garmisch, aber auch aus Italien und der Tschechei. Tierliebhaber mit Streuobstwiesen, kleinere Tiergärten, Bauernhöfe, die Ferien auf dem Bauernhof anbieten, das sind geeignete Kandidaten. Denn Nandus sind ausgesprochen friedfertig, auch anderen Tieren gegenüber und Kindern. Nur den Hahn sollte man während der Balz- und Brutzeit in Ruhe lassen.
Anders als seine Verwandten, die afrikanischen Strauße, vertragen Nandus auch Kälte und Feuchtigkeit ausgezeichnet. Sie stammen aus der Pampas, den südamerikanischen Grasländern, und leben dort in bis zu 2000 Meter Höhe. Gegen Nässe und Kälte schützen sie sich mit einer dicken Fettschicht unter der Haut. Johann Brenner hält die erwachsenen Tiere daher ganzjährig im Freien, wo sie auf seiner Obstwiese, zusammen mit zwei Kamerun-Schafen, das Gras mähen.
Seinen jungen Nandus bietet er allerdings mehr Komfort. Sie haben einen Laufstall mit Wärmelampe, um die sich die Tiere nachts oder bei Regen gemeinsam versammeln. Eine Hackordnung gibt es nicht. Aber natürlich Rangeleien um das beste Blatt Salat, wenn es schon solche Köstlichkeiten gibt. Ansonsten gehen die kleinen Nandus auch gerne auf Fliegenjagd.
In den ersten Wochen achtet Johann Benner vor allem auf gutes Futter für seine Jungtiere. Denn Vitaminmangel kann sich relativ rasch einschleichen. Über vitaminreiches Spezialfutter beugt er dem vor. Ab und zu zeigt sich der hauptberufliche Hopfenbauer und Schweinemäster von seiner eigenen Nandu-Begeisterung überrascht: "Aber irgendeinen Vogel hat schließlich jeder", sagt er wie entschuldigend. Das stimmt. Johann Brenner hat sogar viele.
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